Wie steht es um die Zukunftsfähigkeit unseres Waldes angesichts des Klimawandels? Dieser zentralen Frage gingen interessierte Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Marzhausen am 7. März 2026 beim diesjährigen Waldbegang nach. Unter der fachkundigen Leitung von Förster Matthias Gürke und Jagdpächter Thilo Linke wurden die Bereiche Leichen, Fröschberg und Marzhauser Kopf besichtigt.
Dass der Klimawandel keine ferne Bedrohung, sondern bereits Realität im heimischen Forst ist, verdeutlichte Förster Matthias Gürke eingangs mit beeindruckenden Zahlen. Seit rund zwei Jahrzehnten liegt der jährliche Temperaturverlauf – mit nur minimalen Ausnahmen – konstant über den historischen Mittelwerten. Die Folgen sind unübersehbar: Baumarten, die mit der Hitze und dem zunehmenden Niederschlagsdefizit während der Vegetationszeit nicht zurechtkommen, verschwinden. Während die Fichte nahezu vollständig ausgeschieden ist, leiden nun auch die alten Buchenbestände unter spürbarem Vitalitätsverlust in den Kronen.
Doch der Marzhauser Wald zeigt sich widerstandsfähig. Die rund 97 Hektar große Waldfläche ist bereits heute zu etwa 75 Prozent mit Laubhölzern wie Eichen, Buchen, Bergahorn, Birken und Vogelbeeren bestockt. Um den Wald für die kommenden Generationen zu rüsten, wird auf Vielfalt und gezielte Verjüngung gesetzt. Auf den Freiflächen, die durch die Käferkalamität entstanden waren, wurden neue Bäume gepflanzt: Neben der bewährten Eiche finden sich dort nun auch wärme- und trockenheitsresistentere Arten wie die Baumhasel oder die Elsbeere. Gleichzeitig wird die natürliche Verjüngung gefördert. So wird aktuell in den alten Eichenbeständen entlang der Bahngleise gezielt Licht geschaffen, um einer neuen Generation von Eichen den Weg zu ebnen.
Ein besonderes Augenmerk galt beim Begehen den Anpflanzungen auf den Blößenflächen. Hier zeigte sich, dass die Kombination aus Wuchshüllen und intensiver Pflege zum Erfolg führt. Ein herzlicher Dank galt in diesem Zusammenhang der engagierten „Kulturfrau“ Anke Koßobutzki. Seit drei Jahren befreit sie die jungen Bäume unermüdlich von Konkurrenzflora wie Ginster, Gras und Brombeeren, wodurch sich der Aufwuchs hervorragend entwickelt konnte.
Ein Wald kann nur wachsen, wenn der Wildverbiss unter Kontrolle bleibt. Hier lobte die Gemeinde die hervorragende Zusammenarbeit mit Jagdpächter Thilo Linke. Die Bejagung ist jedoch schwieriger geworden: Die üppige Vegetation auf den Wiederaufforstungsflächen bietet dem Rehwild so viel Nahrung und Deckung, dass es seltener auf die offenen Wiesen austritt. Um die Bejagung in dem unübersichtlichen Gelände dennoch effektiv zu gestalten, wurden vermehrt Ansitzleitern installiert und Rückgassen gemulcht, die als Bejagungsschneisen dienen. Diese Investitionen in die Jagdstrategie sind wichtig, um die teuren Neuanpflanzungen zu sichern.
Am Ende des Rundgangs stand ein optimistisches Fazit: Der Wald in Marzhausen ist dank einer vorausschauenden Bewirtschaftung und des hohen Engagements aller Beteiligten aktuell sehr gut für die Zukunft aufgestellt. Die Gemeinde bedankt sich bei allen Akteuren, die dazu beitragen, dieses wichtige Ökosystem und Erholungsgebiet zu erhalten und für die Zukunft sicher aufzustellen.